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Wohnen

Auf eigenen Beinen stehen gelernt

Wohnen

Auf eigenen Beinen stehen gelernt

Lange hat man Renate S. nicht zugetraut, allein zu wohnen. Seit 2013 beweist sie es allen. Renate Schlögl_1

 

TELFS/OBERPERFUSS

Lange Jahre verbrachte die Oberperferin in Behinderteneinrichtungen, wo ihr viel abgenommen wurde. Noch mit 40 wurde sie wie ein Kind behandelt und man warnte sie, Herd und Messer zu verwenden. Als man ihr anbietet, eine Gemeindewohnung in Telfs zu beziehen, zögert sie. „Wir haben es ihr zugetraut“, erinnert sich Andrea Gerhold von der Lebenshilfe. Sie begleitet Renate Schlögl seit 2012 und sieht, wie gut sie sich entwickelt. „Früher war jede Veränderung purer Stress. Heute traut sie sich schon mehr zu und übernimmt vieles im Haushalt selbst.“

„I bin gern in meiner Wohnung. Da kann ich tun was ich will“, erklärt Renate Schlögl. Hier hat sie die Ruhe um zu häckeln, Gitarre zu spielen, Tagebuch zu schreiben oder zu beten. „Meine Mama ist heuer gestorben. I denk no oft an sie.“ Mit ihrer Assistentin hat sie daher ein Erinnerungsbuch angelegt. Ein Platz in dem sie Bilder und tröstliche Gedanken sammelt.

Untertags arbeitet Renate S. als Verkäuferin im „Willkommen-Second-Hand für Kinder“. Dort gefällt es ihr so gut, dass sie nicht einmal auf Urlaub fahren will „ich bin gern da meine – Heimat ist Telfs.“

Angehörige sind beeindruckt

Wenn sie Gesellschaft braucht, lädt sie Freundinnen aus der Lebenshilfe ein. Oder sie besucht ihren Bruder in Oberperfuss. Diese Wochenendbesuche werden aber seltener. „Weil Renate lieber selber was mit ihren Freundinnen macht“, erklärt ihre Schwägerin. Sie beobachtet, dass Renate S. im letzten Jahr selbständiger geworden ist: Renate besorgt sich verschriebene Medikamente in der Apotheke oder besucht ganz allein die Fußpflege. „Wir waren ganz erstaunt!“

Unterstützung im Alltag

Bei größeren Anschaffungen oder Reparaturen in der Wohnung, wendet Renate S. sich an ihren Bruder. Beim Wocheneinkauf, bei der Kontrolle alter Lebensmittel oder beim Ansuchen um Wohnbeihilfe, steht ihr eine Assistentin zur Seite. „Mobile Begleitung kann Menschen, aus einer lebenslang gelernten Hilfslosigkeit führen“, erklärt Georg Willeit die Aufgabe der Lebenshilfe.

Mit Unterstützung kocht Renate S. ihre Leibgerichte oder organisiert sich eine Fahrt ins Grüne. Die Assistentin begleitet sie dabei und unterstützt nur dann, wenn Renate unsicher ist.Renate Schlögl_2

So lebt Renate Schlögl mit mobiler Begleitung selbständig – und braucht immer weniger Unterstützung: „Einmal im Monat, will ich am Freitag alleine sein und selber was unternehmen.“

Bericht & Bilder von Peter Schafferer , Lebenshilfe Tirol

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