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ArbeitInklusionPolitik und RechtUnterstützung

Rückblick: Inklusive Runde Tische auf dem IASSIDD-Kongress 2014

Von 23. Juli 2014 Keine Kommentare
ArbeitInklusionPolitik und RechtUnterstützung

Rückblick: Inklusive Runde Tische auf dem IASSIDD-Kongress 2014

Von 23. Juli 2014 Keine Kommentare

Salzburger Soziallandesrat Schellhorn fordert Persönliches Budget für Menschen mit Beeinträchtigungen

Utl.: Runder Tisch zu Inklusion im Gemeinwesen am IASSIDD-Kongress
mit Uni Wien und Lebenshilfe

Wien (OTS) – „Es reicht nicht, Wohneinrichtungen für Menschen mit
intellektueller Beeinträchtigung in der Gemeinde zu bauen, sondern es
muss sich auch das soziale Umfeld ändern“, erklärte der Salzburger
Soziallandesrat Heinrich Schellhorn gestern anlässlich eines Runden
Tisches zum Thema „In der Gemeinschaft integriert leben“ im Rahmen
der IASSIDD-Konferenz „Wege zur Inklusion“. „Ein richtungsweisender
und bahnbrechender Ansatz wäre das Persönliche Budget. Das Geld ginge
dabei nicht wie bisher an die Einrichtungen, sondern die Menschen mit
Beeinträchtigung erhalten selbst das Geld. Damit können sie sich die
Dienstleistungen einkaufen, die sie wollen. Dadurch kann ein
Wettbewerb unter den Einrichtungen entstehen und die Dienstleistungen
werden sich mehr an die Wünsche der Kundinnen und Kunden ausrichten.
Damit das gut funktioniert, muss es eine österreichweit einheitliche
Regelung geben“, fordert Schellhorn.

IASSIDD 2014: Runder Tisch "Inklusion in der Gemeinde"

IASSIDD 2014: Runder Tisch „Inklusion in der Gemeinde“

Albert Brandstätter, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich,
stimmte zu: „Ja zum Persönlichen Budget, aber es muss dann so hoch
sein, dass man sich die Unterstützungsleistungen, die man braucht,
auch wirklich leisten kann. Das Persönliche Budget sollte unabhängig
vom Einkommen als Rechtsanspruch zustehen, so wie es Schweden
vorzeigt.“ Brandstätter fordert eine Abkehr von dem derzeit
undurchschaubaren System an Leistungen des Bundes und der Länder.
„Stattdessen sollten wir ein Zwei-Säulen-Modell entwickeln: Eine
Säule könnte der Sicherung der Existenz, etwa durch Einkommen oder
Mindestsicherung dienen, die zweite Säule zur Abdeckung des
Mehr-Bedarfes aufgrund einer Beeinträchtigung, etwa durch Pflegegeld,
Persönliches Budget, Persönliche Assistenz.“

Klaus Brunner, Selbstvertreter der Lebenshilfe Vorarlberg betonte:
„Wahlfreiheit ist wichtig. Jeder muss sich aussuchen können, wie er
wohnt. Gute Unterstützung ist dabei wichtig. Sie muss besser bezahlt
werden, damit diese Arbeit attraktiv ist. Barrierefreiheit ist
wichtig. Ich lebe in Dornbirn, dort gibt es nur zwei Lokale, die ich
mit meinem Rollstuhl besuchen kann. Es müssen auch die Barrieren in
unseren Köpfen abgebaut werden. Ich habe eine Vision, einen Traum:
Menschen mit und ohne Beeinträchtigung wohnen gemeinsam und können
sich gegenseitig unterstützen. Dann wird Inklusion gelebt.“

Zwtl.: Ingrid Heindorf vom World Future Council in Genf und
Mitarbeiterin am Zero-Project erklärte:

„Es geht darum Kontrolle über das eigene Leben zu haben.
Internationale Studien zeigen: Inklusion ist auf lange Sicht
kostengünstiger als die Fortführung des bisherigen Systems, nicht
weil die Leistungen billiger werden, sondern weil die Menschen mit
Beeinträchtigung sich wohler fühlen, dadurch gesünder sind und auch
Verhaltensauffälligkeiten zurückgehen. Im Rahmen des Zero Projects
suchen wir weltweit nach guten Praxis Beispielen für Inklusion. Diese
können übrigens noch bis zum 20. Juli 2014 eingereicht werden.“

Thomas Driessen, Geschäftsführer von alpha nova, forderte von Bund
und Ländern größere Anstrengungen, damit Menschen selbstbestimmt
leben können. „Die Einrichtungen der Behindertenhilfe müssen
umdenken. Wir müssen weg von der Pädagogik hin zur Sozialarbeit. Es
wird auch Zeit, dass die Behinderten-Einrichtungen einen Teil ihrer
Verantwortung wieder an die Gesellschaft abgeben. Dafür braucht es
Pläne und den politischen Willen zur Umsetzung.“

Auf den Hinweis, dass die Umsetzung von Inklusion Zeit braucht,
antwortete Selbstvertreter Klaus Brunner entschieden: „Was noch MEHR
Zeit?! Wir Menschen mit Beeinträchtigung haben lange genug gewartet.
Die Politik muss endlich handeln!“

Selbstvertreter fordern Lebensassistenz und Unterstützerkreise statt Sachwalterschaft

Utl.: Runder Tisch Unterstützte Entscheidungsfindung am
IASSIDD-Kongress mit Lebenshilfe und Uni Wien

Wien (OTS) – „Der Sachwalter darf nicht seine Macht an mir ausüben.
Besser gefällt mir ein Lebensassistent und Unterstützerkreise.
Unterstützung ist wichtig. Alle Menschen brauchen Unterstützung. Aber
man muss ausprobieren können. Ein Risiko gehört zum Leben!“ erklärte
Selbstvertreter Richard Nägele von der Lebenshilfe Vorarlberg am
prominent besetzten Runden Tisch zur unterstützten
Entscheidungsfindung im Rahmen der IASSIDD-Konferenz „Wege zur
Inklusion“ unter der Moderation von Hemma Mayrhofer (IRKS – Institut
für Rechts- und Kriminalsoziologie). Volksanwältin Gertrude Brinek
konnte der Idee mit der Lebensassistenz zustimmen: „Wir müssen die
Probleme mit dem Sachwalterrecht genau benennen und Lösungen finden.
Derzeit erhalten die Menschen nicht die Hilfe die sie brauchen. Zu
schnell wird auch ein Sachwalter für alle Angelegenheiten bestellt.
Damit ist die Selbstständigkeit ganz beendet. Unser Ziel muss sein
Lebensassistenz sein.“ Daher begrüßt sie die gute Arbeit der
Arbeitsgruppe im Justizministerium.

IASSIDD 2014: Unterstützte Entscheidungsfindung

IASSIDD 2014: Inklusiver Runder Tisch „Unterstützte Entscheidungsfindung“

„Die Politik ist gefordert gemeinsam mit uns Selbstvertreterinnen
und Selbstvertretern an der Veränderung der Gesetze zu arbeiten. In
einer Arbeitsgruppe im Justizministerium beraten wir gemeinsam über
Änderungen im Sachwalterrecht. Menschen mit Lernschwierigkeiten
sollen auch heiraten dürfen oder Kinder adoptieren können“, ergänzte
Selbstvertreter Andreas Zehetner von der Lebenshilfe
Niederösterreich. Deren Verantwortlicher Sektionschef Georg Kathrein
meinte zum Ministeriumsprojekt: „Es muss noch viel getan werden. Die
Umsetzung der Unterstützten Entscheidungsfindung ist ein riesiges
Projekt. Wichtig ist der laufende Dialog mit betroffenen Personen.
Auch die Länder müssen eingebunden werden, weil es auch um die
Sicherstellung von sozialen Leistungen der Länder geht.“ Kathrein ist
aber zuversichtlich, dass es genügend finanzielle Mittel geben wird,
um den Paradigmenwechsel im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention
zu erreichen.

Alexander Maly von der Schuldnerberatung forderte den Ausbau des
betreuten Kontos über die Grenzen Wien hinaus in ganz Österreich:
„Das betreute Konto ist ein Modell das eine Sachwalterschaft
vermeiden hilft. Mit dem betreuten Konto können Zahlungen für
wichtige Leistungen wie Strom und Miete sichergestellt werden, über
den Rest des Geldes darf man frei verfügen.“ Dorothea Gschöpf vom
Vertretungsnetz erklärte, dass das Projekt „Clearing Plus –
Unterstützung zur Selbstbestimmung“ eine große Chance sei um
Sachwalterschaft zu vermeiden. „Beim Clearing Plus schauen wir uns
das Umfeld der betroffenen Personen ganz genau an und versuchen
Alternativen zu einer Sachwalterschaft zu finden. Dabei zeigt sich
leider oft, dass soziale Unterstützungsleistungen der Länder fehlen.
Deren Wiederaufbau wäre daher dringend notwendig. Und wir sollten
offener für unkonventionelle Lösungen werden.“

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass Bund
und die Länder sich besser vernetzen müssen und es eine Vielfalt an
Modellen für Unterstützung bei Entscheidungen braucht, damit alle
Menschen mit Beeinträchtigungen das für sie Passende auswählen
können. Wichtig sei, dass diese Modelle wirklich zur Selbstbestimmung
und Teilhabe in der Gesellschaft beitragen. „Wir müssen alle
zusammenarbeiten, dann kommt etwas Gescheites dabei raus“, ist
Selbstvertreter Andreas Zehetner überzeugt.

Round Table „Inklusion am Arbeitsplatz“

Utl.: Einen strengeren Kündigungsschutz …

für Menschen mit Behinderung fordert Behindertenanwalt Erwin Buchinger am 21.7. im Ö1-Morgenjournal und beklagt, dass die Arbeitslosenrate unter behinderten Menschen wieder rasant gestiegen sei. Beim inklusiven Round-Table auf dem IASSIDD-Kongress kam dies ebenfalls zur Sprache. Hier diskutierte Buchinger zum Thema „Inklusion am Arbeitsplatz“ mit Künstlerin Iris Kopera, Roland Grabmaier von der Lebenshilfe Graz, Elisabeth Tschann als Vertreterin vom Land Vorarlberg, Robert Bacher vom Fonds Soziales Wien und Prof. Gottfried Biewer vom Institut für Bildungswissenschaften an der Uni Wien.

IASSIDD 2014: Inklusiver Runder Tisch "Inklusion am Arbeitsplatz"

IASSIDD 2014: Inklusiver Runder Tisch „Inklusion am Arbeitsplatz“

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