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Inklusion

Die größten Hindernisse sind die Barrieren in den Köpfen.

Von 10. September 2013 Keine Kommentare
Inklusion

Die größten Hindernisse sind die Barrieren in den Köpfen.

Von 10. September 2013 Keine Kommentare

Erich Girlek ist Mitglied des Selbstvertretungs-Beirats der Lebenshilfe Österreich und lebt in Salzburg.
Zum Thema “Barrieren im Gesetz” hat er diesen Text verfasst:

Als Selbstvertreter sehe ich es genau so, dass noch viele Barrieren beseitigt werden müssen, bis es zu einer Gesellschaft kommt, in der alle Menschen gleichberechtigt in allen Lebensbereichen teilhaben können. Das hat auch die UN-Kommission diese Woche festgestellt, wie sie Österreich überprüft hat.
Die Kommission hat sehr gute Fragen gestellt. Sie wollten wissen was Österreich macht, damit die UN-Konvention rasch umgesetzt wird. Und was Österreich macht, damit Menschen mit Beeinträchtigungen nicht in einem Bundesland benachteiligt werden. Und die Antworten von Österreich waren der Kommission viel zu wenig.
Ich komme aus Salzburg und leider muss ich sagen dass es in Salzburg oft sehr schwer ist für Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Zum Beispiel es gibt immer noch viele bauliche Barrieren wo man nicht einmal in den Landtag hinein kommt.

Aber auch für Menschen mit Lernschwierigkeit gibt es immer noch viele Hindernisse in Salzburg, wie etwas, dass man sehr schwer oder gar nicht die Fahrpläne lesen oder die Fahrkarten kaufen kann. Es gibt auch keine Informationen in leichter Sprache. Oder es gibt in Salzburg für die meisten Menschen mit Lernschwierigkeiten nur die Mög¬lichkeit in einer Einrichtung zu wohnen oder zu arbeiten, weil es keine andere Unter¬stützung gibt.

Die größten Hindernisse dabei sind die Barrieren in den Köpfen. Die Barrieren in den Köpfen sind die Vorurteile.

In Salzburg glauben viele Menschen noch, dass Menschen mit hohem Hilfebedarf es besser in einem Heim haben und dass sie dort alles bekommen, was sie brauchen und viele denken, dass es Menschen mit Lernschwierigkeiten besser in einer Be¬schäftigungstherapie haben und keine Chance haben einen Arbeitsplatz zu finden. Diese Einstellungen sind die größten Hindernisse, weil mit solchen Einstellungen lassen sich die Ziele der UN-Konvention nie und nimmer erreichen.

Das ist nicht so in Vorarlberg. Dort kenne ich seit Jahren das Modell Spagat. Im Mo-dell Spagat werden Menschen mit Lernschwierigkeiten, die mehr Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeit brauchen in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Gerade Menschen mit sehr hohem Hilfebedarf. So wie es sich die meisten Menschen wün-schen. Und so wie es auch unser Recht ist, das in der UN-Konvention festgeschrie-ben ist.

Mein Beruf ist Selbstvertreter. Ich habe auch in anderen Bereichen gearbeitet, aber in den letzten Jahren habe ich angefangen mich für die Interessen von Menschen mit Lernschwierigkeiten einzusetzen. Ich unterstütze Menschen mit Lernschwierigkeiten in Einrichtungen, ich mache Schulungen und Arbeitsgruppen, damit wir mehr mitbe¬stimmen können und mehr über unsere Rechte erfahren.

Ich mache auch eine Ausbildung zum Peer-Berater. Ich arbeite auch in vielen Ar-beitsgruppen mit und versuche Verbesserungen für Menschen mit Lernschwierigkei¬ten auf der Landes- und Bundes-Ebene zu erreichen. Auch dazu steht in der UN-Konvention im Artikel 29, dass Österreich alles unternehmen wird, damit Menschen mit Lernschwierigkeiten gleichberechtigt am öffentlichen und am politischen Leben teilhaben können.

Das geht nur wenn wir Menschen mit Lernschwierigkeiten unsere eigenen Organisa¬tionen gründen können, aber in Salzburg gibt es noch keine Finanzierung für Selbst¬vertretungsgruppen weil in unserem Behindertengesetz nichts davon zu finden ist. Deshalb bekomme ich für meine Vollzeit-Arbeit ein Taschengeld von € 102,- und viele meiner KollegInnen bekommen noch viel weniger. Wenn uns nicht der Verein Lebenshilfe Salzburg als Starthilfe für die Selbstvertretung ein Büro und eine Unter¬stützungsperson bezahlen würden, gäbe es überhaupt keine Selbstvertretung bei uns. Auch das ist nicht überall so.

Im Vorarlberger Chancengesetz steht, dass unabhängige Interessensvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Vorarlberg finanziert werden soll.
Dort und Tirol ist meine Arbeit ein bezahlter Beruf. In diesen Bundesländern gibt es eine unabhängige Selbstvertretungsgruppe und eine Beratungsstelle die von Men-schen mit Lernschwierigkeiten mit unabhängigen UnterstützerInnen geleitet wird und in denen Menschen mit Lernschwierigkeiten angestellt sind und auch vom Land be¬zahlt werden.

Es gibt auch noch viele andere Beispiele. Leider ist Salzburg gegenüber anderen Bundesländern immer noch Schlusslicht in vielen Bereichen des Lebens für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Alle diese Sa¬chen müssen geändert werden. Man sollte diese Dinge schnell angehen.
Oder sie müssen es leichter machen für Menschen mit Lernschwierigkeiten in ein anders Bundesland zu ziehen. Dann bewerbe ich mich in Vorarlberg.

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