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FreizeitInklusion

Zwei blinde Menschen über Museumsbesuche…

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Zwei blinde Menschen über Museumsbesuche…

Was ist für ein barrierefreies Museum wichtig?

Helga (60 Jahre, blind) und Jana (8 Jahre, blind) erzählen uns, wie sie Museumsbesuche erleben.

Sie sprechen über ihre Wünsche an ein Museum für alle.

Wünsche an ein Museum — Ein Museum für alle!

 

Helga, 60, blind, Museumsbesucherin  

Was erwartet einen blinden Besucher: Vitrinen Absperrbänder, Schilder „bitte nicht berühren“. Ich höre Dielen knarren, das Geflüster von anderen Besuchern. Es riecht nach Staub und alten Sachen.

Was dort anzuschauen ist, bleibt mir nebulös. Häufig kann ich nicht einmal die Größe des Ausstellungsraumes erahnen.

Um an Informationen zu kommen, muss der Begleiter die Museumstexte vorlesen. Aber das in einem möglichst gedämpften Ton, damit andere nicht gestört werden. Da die Begleitperson gar nicht alles vorlesen kann, wählt sie ganz automatisch bestimmte Objekte aus, die ihr ins Auge fallen. So werden die Informationen vom Begleiter praktisch nach dessen Präferenzen gefiltert. Was schließlich nicht anders möglich ist. Der Blinde kann ja auch gar nicht sagen, lies mir doch bitte mal dieses oder jenes vor, er weiß schließlich nicht was ihm entgeht und was sonst noch alles vorhanden ist.

Durch Audioführungen beginnen langsam auch für blinde Besucher Museen interessanter zu werden. Allerdings sind das Audioführungen, die speziell für sehende Besucher konzipiert wurden.

In der Regel läuft das für mich so ab: Der Begleiter liest eine Zahl von einem Objekt ab, dann darf ich sie in ein Gerät mit Telefontastatur eingeben und kann mir den hinterlegten Text anhören.

Meist beginnen die mit einer hunderter Nummer, die bei jeder neuen Abteilung wieder mit einer neuen hunderter Nummer beginnen. Der Text ist zwar sehr informativ, aber was dort zu sehen ist, darf ich mir ausdenken. Mit dem Objekt komme ich gar nicht in Berührung. Häufig weiß ich nicht einmal, wo sich das Objekt befindet.

Das bedeutet für mich, ich bräuchte eigentlich gar nicht durch das Museum zu gehen, sondern ich könnte mich in irgendeine Ecke setzten und dort die Nummern eingeben und mir alles anhören. Genau das habe ich auch schon gemacht, eine wirklich traurige Angelegenheit! Das hat mit Inklusion nun wirklich nichts zu tun! Sicher wollen so eine Ausgrenzung weder die Ausstellungsgestalter noch Blinde!

Museen wollen Besucher in den Bann ziehen, Interesse wecken und Wissen vermitteln. Genauso diesen Anspruch haben auch Blinde an einem Museumsbesuch.

 

Interview mit Jana, 8 Jahre, blind

Gehst du gerne ins Museum? Ja.

Warum gehst du ins Museum? Weil ich mir Sachen angucken und anfassen möchte und ich gerne wissen will, wie Dinge aussehen und wie sie sich anfühlen.

Was macht dir im Museum am meisten Spaß? Mir machen Experimente Spaß oder Dinge anzufassen, die man noch nie gesehen hat.

Wie findest du Texte zum Lesen im Museum? Ich finde sie gut, besser als Audioguides. Denn dann kann man so lesen, wie man möchte und sich selber was vorstellen und nicht immer etwas gesagt bekommen. Ich liebe lesen.

Wie findest du Führungen? Führungen finde ich nicht so gut, weil man dann nicht selber entscheiden kann, was man sich als nächstes anschauen möchte.

Was stört dich in Museen? Was magst du nicht? Wenn ich vor Glasscheiben stehe und nicht weiss, was dahinter ist.

Dein Wunsch an das Museum? Dass es keine Glasscheiben mehr gibt, dass Blinde alles anfassen dürfen, dass es mehr Workshops gibt und mehr Führungen, die kindgerecht sind.

Hast du ein Lieblingsmuseum? Das Technikmuseum in Wien.

Was gefällt dir daran? Dass man Experimente machen kann, die man auch anfassen kann. Dass man dort alles anfassen darf.

 

Das Salzburg Museum fördert den Musuemsbesuch für alle: Zusammen mit verschiedenen Unternehmen, die Unterstützungsmaterialien für einen barrierefreien Museumsbesuch entwickelt haben, wird am 30. Mai einen Nachmittag lang das Wissen um barrierefreie Kunstvermittlung weitergegeben.

Für Details zur Veranstaltung „Ins Museum mit allen Sinnen“ siehe unseren Blog-Eintrag.

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