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InklusionNewsPolitik und Recht

Zero Project Conference in Wien – Andreas Zehetner berichtet

Von Andreas Zehetner 6. März 2019 Keine Kommentare
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Zero Project Conference in Wien – Andreas Zehetner berichtet

Am 22.02.2019 fand in der UNO City die Zero Project Konferenz zum Thema Wahlen statt.

Es kamen Selbstvertreter aus Deutschland und Österreich nach Wien. Unter anderem waren die Organisationen Pixel (Deutschland), Lebenshilfe, Caritas und das FSW vertreten.
Wir Selbstvertreter sind uns einig, dass alle Menschen mit Beeinträchtigung, das Recht zur Wahl zu gehen haben. Das heißt, wenn es um mein Leben geht, muss ich mitsprechen können.
Wenn alle Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zur Europawahl gehen, wird die europäische Behindertenstrategie 2020/2030 umgesetzt.
Das Wort Partizipation bedeutet Teilhaben. Das muss für alle möglich gemacht werden, damit es eine inklusive Gesellschaft gibt. Mitreden im Parlament, geht nur dann wenn das Volk zur
Wahl geht und abstimmen kann, wer im Parlament sitzen und bestimmen wird.
Für die Umsetzung der europäischen Behindertenstrategie gibt es einen Stufenplan.
Die erste Stufe ist „Dabei sein“.
Das heißt eine gute Erreichbarkeit, barrierefreie Räume, Unterstützung beim Verstehen (durch Gebärdensprache etc.), Assistenz und Unterstützung und ein wertschätzendes Miteinander.


Die zweite Stufe ist „Informiert sein“.
Das heißt die Informationen müssen für alle zur Verfügung stehen.
Zum Beispiel durch verständliche Sprache, Übersetzung für Sprachminderheiten (Gebärdensprache, leichte Sprache, Englisch, etc), Hilfsmittel (das sind zum Beispiel Fotos, Zeichnungen, Grafiken, Brailleschrift).
Außerdem ist ausreichende Zeit wichtig, um Inhalte gut verstehen zu können.
Man kann sich durch unterschiedliche Medien informieren. Wie Zeitungen, Internet und Radio, etc.
Capito ist eine Übersetzungsfirma, die schwierige Sprache in einfache Sprache übersetzt. Dazu hat Capito eine App fürs Handy gemacht, die man sich runterladen kann.
Man kann schwierige Texte mit dem Handy scannen und sie sich in leichte Sprache übersetzen lassen.
Schweden: In Schweden gibt es Projekte, die schon Politikern lernen in leichter Sprache zu sprechen.


Die dritte Stufe ist „Meinung sagen, mitreden“.
Das bedeutet, es muss Möglichkeiten geben, dass ich meine Meinung sagen kann.
Zum Beispiel bei Befragungen, Abstimmungen, Foren (Mehrzahl von Forum), bei Diskussionen und Versammlungen in meinem Bezirk, meiner Gemeinde, meinem Staat.
Oder als Experte oder Expertin in der eigenen Sache in bestimmten Gremien.


Die vierte Stufe ist „Mitentscheiden, beraten, wählen“.
Das wählen ist das Recht von jedem Bürger und jeder Bürgerin, wenn es um Entscheidungen geht, die ihr Leben betreffen.
Wählen kann man zum Beispiel bei: Kommunalwahlen,  Gemeinderatswahlen, Nationalratswahlen, Präsidentschaftswahlen, EU-Wahlen, Wahl der Interessensvertretung, Arbeiterkammer, etc.
Die fünfte Stufe ist „die Letztentscheidung“
Das heißt, wen wir zur Wahl gehen, bestimmen wir mit, wer die Gesetze ändert.
Seit 21.2.2019 ist es in Deutschland für Menschen mit Beeinträchtigung nur erlaubt zu wählen, wenn sie eine Prüfung bestehen.
Die Selbstvertreter sehen dieses Gesetz als sehr diskriminierend an. Iris Kopera meinte, dass es sein kann das die Person zum Zeitpunkt der Prüfung sehr nervös ist und das Prüfungsergebnis
nicht der Wahrheit entspricht, weil die Beeinträchtigung durch die Nervosität stärker hervortritt.
Gegen Ende hat die ExpertInnen-Gruppe von Fonds Soziales Wien noch ein Video zum Selbstvertretungstag gezeigt.
Beim Selbstvertretungstag kommen Selbstvertreter zusammen, tauschen sich aus und versuchen etwas zu verbessern. Damit Menschen mit Beeinträchtigung lernen selbst mitzureden. Damit sie gehört werden und die Gesellschaft weiß dass es sie gibt.


Am Schluss gab es noch eine Diskussionsrunde zur Frage: „Was braucht man um mitbestimmen zu können?“
Ganz wichtig ist, dass man gut zuhören können muss und viel Mut hat, etwas zu sagen. Außerdem braucht es Selbstvertrauen und ein Ziel, dass man nicht aus den Augen lässt.
Desweiteren wurde gesagt dass es Gruppen braucht mit denen man zusammenarbeitet und man sich mit anderen Organisationen und Ländern vernetzt.
Auch die Informationen müssen in leichter Sprache zur Verfügung stehen und dann auch wirklich zu den Betroffenen gelangen.
Außerdem ist es ebenfalls wichtig, dass auch Gehörlose und Sehbeeinträchtigte nach vorne kommen und etwas erzählen.

AutorAndreas Zehetner

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