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Loslassen – Kinder mit Behinderungen werden erwachsen

Von 29. Juni 2017 Keine Kommentare
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Loslassen – Kinder mit Behinderungen werden erwachsen

Von 29. Juni 2017 Keine Kommentare

Loslassen ist ein lebenslanger Prozess

Es geht nicht nur um den Auszug von Kindern mit Behinderungen aus dem Elternhaus, sondern im Laufe der Jahre um viele kleine und größere Veränderungen in der Eltern-Kind-Beziehung. Dabei bedarf es ein dauerndes Ausbalancieren von Unterstützung und Selbstbestimmung. Das Vertrauen der Eltern in die Fähigkeiten des Kindes und in externe Unterstützungspersonen ist wesentliche Voraussetzung dafür, dass Eltern loslassen können und sich das Kind auch abseits der Eltern gut weiterentwickeln kann.

Achtung Fertig … Los-Lassen?!

Die Veranstaltungsreihe der Lebenshilfe mit DEM Kernthema für alle Eltern hat heuer mit den ersten drei Angehörigentreffen in Klagenfurt, Wr. Neustadt und Wien einen erfolgreichen Start hingelegt.

„Man spürt, wenn eine Veränderung notwendig ist!“
„Wir haben uns geeinigt: Auszug mit 30!“
„Auch ich als Vater brauche viel Unterstützung beim Loslassen!“
„Stellen Sie sich die Frage: Was ist gut für mich? Oder: Was ist gut für mein Kind?“
„Was ist mit meinem Kind, wenn ich nicht mehr bin?“
„Mein Kind will gar nicht loslassen! Bin ich dann eine Rabenmutter?“
„Das Wichtigste ist: Früh beginnen, und ausreichend Zeit lassen!“
Das sind nur einige der Aussagen und Fragen von Angehörigen.

Die Veranstaltungsreihe der Lebenshilfe, die unter Leitung von Bernhard Schmid aus Wien von Angehörigen der Lebenshilfe entwickelt wurde, die allesamt selbst (erwachsene) Kinder mit intellektuellen Behinderungen haben, fand bisher an drei Standorten statt: Anfang März in Klagenfurt, Anfang Juni in Wr. Neustadt und Ende Juni in Wien. Lokale Lebenshilfe-Organisationen übernehmen ein fertig ausgearbeitetes inhaltliches und organisatorisches Paket samt professioneller, neutraler Moderation und berührendem Einführungsfilm und veranstalten einen Austausch- und Impulstag für eine kleine Gruppe vor Angehörigen direkt vor Ort. Die durchschnittlich 20 Teilnehmer/innen werden genau mit den Fragen abgeholt, die sie derzeit am meisten bewegen und gestalten die Themen ganz nach ihren individuellen Wünschen. Es gibt dabei keinerlei Vorgaben für „richtige“ Verhaltensweisen, jede/r wird mit ihren/seinen Sorgen ernst genommen, kann im Austausch mit Gleichbetroffenen Gemeinsamkeiten erkennen und neue Erkenntnisse für sich nach Hause mitnehmen.

Dass dies sehr gut funktioniert, haben die ersten drei Angehörigentage gezeigt: obwohl sich die Mehrheit der Teilnehmer/innen vorher nicht gekannt hat, gab es aufgrund der gemeinsamen Betroffenheit sofort einen angeregten Austausch von zum Teil sehr intimen Details! Dies war umso bemerkenswerter, als die Ausgangssituation der teilnehmenden Eltern unterschiedlich war:

  • Die Kinder von 15 bis über 50 Jahren wohnten noch überwiegend im Elternhaus, einige sind aber auch schon ausgezogen und lebten entweder in betreuten Wohngemeinschaften oder in eigenen Wohnungen
  • Als Eltern waren jüngere Berufstätige bis zu älteren Pensionist/inn/en vertreten
  • Einige Eltern tun sich sehr schwer mit dem Loslassen (vor allem die, die erst gar nicht zur Tagung erschienen sind…), andere geben ihre positiven Erfahrungen gerne weiter.

Allen war gemeinsam, dass Sorge und Verantwortung für ihre Kinder ein Leben lang bestehen bleiben, und auch der Wunsch nach einer erfüllenden Beziehung. Wer sich aber auf das anfangs oft unbequeme Loslassen Schritt für Schritt einlässt, wird mit einer Entlastung und einer neuen Beziehungsqualität belohnt! Ganz zu schweigen vom Glücksgefühl, wenn das eigene Kind neue Fähigkeiten zeigt und neu gewonnene Freiheiten und Spielräume genießt.

Die Veranstaltungsreihe wird in ganz Österreich fortgesetzt, erkundigen Sie sich bei Ihrer Lebenshilfe-Organisation vor Ort über geplante Termine!

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