Petition startet: 30 Organisationen fordern Reform ärztlicher Begutachtungen

Zehn Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft sitzen vor einem dunklen Hintergrund, ihre Gesichter sind unscharf. Einige sitzen auf Stühlen, einer sitzt im Rollstuhl, und alle schauen von der Kamera weg. Das Bild ist von einem hellgrünen Rahmen umgeben.KI generiert

„Meine Würde. Nicht euer Misstrauen.„ Petition für faire, ärztliche Begutachtungen startet. Knapp 30 Interessensvertretungen und Sozialorganisationen fordern umfassende Reform des österreichischen Begutachtungssystems und wenden sich mit Petition an Sozialministerin Korinna Schumann.

Wien, 28. September 2026

Ab 29. September kann die Petition für faire, ärztliche Begutachtungen auf der Plattform aufstehn.at unterzeichnet werden. Die Initiator*innen fordern eine umfassende Reform des österreichischen Systems ärztlicher Begutachtungen von Menschen mit Behinderungen, chronischen Krankheiten und psychischen Erkrankungen.

Erfahrungsberichte Betroffener und Angehöriger

Auf www.meinewürde.at berichten Betroffene und Angehörige von belastenden Erfahrungen bei Terminen, in denen sie respektlos behandelt, nicht verstanden oder unter Generalverdacht gestellt wurden. Ärztliche Begutachtungen der PVA, der ÖGK und des SMS entscheiden welche Unterstützung Menschen mit Assistenzbedarf bekommen. Eine falsche oder zu niedrige Einschätzung kann damit konkrete finanzielle und existenzielle Folgen für Betroffene und ihre Familien haben.

„Viele Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen erleben ärztliche Begutachtungen als belastend. Die Probleme sind seit Jahren bekannt. Ein System, das über wichtige Unterstützungsleistungen entscheidet, muss menschenwürdig, fachlich kompetent, transparent und unabhängig sein“

fordert Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich und selbst Vater eines Kindes mit Behinderungen.

Das bestätigt auch Brigitte Heller, Vorsitzende des Vereins Lichterkette – Interessenvertretung für Menschen mit psychischer Erkrankung:

„Aus meiner Erfahrung in der Interessenvertretung kenne ich viele Fälle, in denen Begutachtungen für Betroffene zu einer enormen Belastung werden. Wie kann es sein, dass ein Antrag auf Berufsunfähigkeitspension bei schwerer psychischer Erkrankung – oder sogar im Endstadium einer Krebserkrankung mit bereits bewilligtem mobilem Hospiz – abgelehnt wird?“


Auch aus medizinischer Sicht ist der Reformbedarf klar. Die Forderungen der Kampagne „Meine Würde“ werden von renommierten Fachärzt*innen aus ganz Österreich unterstützt, darunter Priv.-Doz. DDr. Andrea Papp:

„Menschen, die mit einer chronischen oder unheilbaren Erkrankung leben, sollten nicht immer wieder ihre Einschränkungen beweisen und ihre Lebenssituation rechtfertigen müssen. Begutachtungen müssen unabhängig, fachlich fundiert und vor allem respektvoll und menschenwürdig erfolgen.“

Fünf Forderungen

  1. Menschenwürde statt Misstrauen: Menschen, die zu einer Begutachtung kommen, müssen mit Respekt behandelt werden. Sie dürfen nicht von vornherein unter Verdacht stehen, ihre Beschwerden oder Unterstützungsbedarf zu erfinden.
  2. Die richtige Fachperson für die richtige Diagnose: Wer komplexe Diagnosen oder eine seltene Erkrankung beurteilt, muss sich damit auskennen. Bereits existierende Fachgutachten sollten verpflichtend als Grundlage herangezogen werden.
  3. Einmal beurteilt muss reichen – wenn sich nichts ändert: Wer eine angeborene oder dauerhafte Behinderung, wie eine Querschnittslähmung, hat, soll nicht alle paar Jahre erneut beweisen müssen, dass er oder sie noch Unterstützungsbedarf hat.
  4. Nachvollziehbare Entscheidungen statt Black Box: Jede und jeder hat das Recht zu verstehen, warum ein Antrag abgelehnt wurde – mit einer klaren, schriftlichen Begründung und der Möglichkeit, das Gutachten zu sehen und anzufechten.
  5. Eine unabhängige Begutachtung: Die Stelle, die über Pflegegeld oder andere Leistungen entscheidet, darf nicht gleichzeitig diejenige sein, die das Geld dafür auszahlt. Es braucht ärztliche Begutachtungen, die wirklich unabhängig sind.

Folgende Organisationen tragen diese Kampagne mit:

Alzheimer Austria, Assistenz24 gemeinnützige GmbH, Autistenhilfe Tirol, Autismus Network Austria, Brozek Power Consulting e.U., Bundesverband Selbsthilfe Österreich (BVSHOE), Caritas Österreich, ChronischKrank Österreich, crazy turn, Dachverband IDEE Austria – Interessenvereinigung der Erfahrungsexpert:innen für psychische Gesundheit, Demenz Selbsthilfe Austria, Diakonie gemeinnützige GmbH, Down-Syndrom Wien, Ehlers-Danlos Community Austria, EVA – Endometriose Vereinigung Austria, frühfördern.at, Incendi, Inklusion Österreich, Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger, Lebenshilfe Österreich, Lichterkette, Lobby4kids – Kinderlobby, ME/CFS Kompass, Österreichische Gesellschaft für ME/CFS, Österreichische Rheumaliga (ÖRL), Österreichische Vereinigung Morbus Bechterew, ÖSB – Österreichischer Schwerhörigenbund Dachverband, pro mente austria, Pro Rare Austria – Allianz für seltene Erkrankungen, Psychotherapeutischer Bereitschaftsdienst, Rheumalis, Selbsthilfe Lupus Austria, SLIÖ – Selbstbestimmt Leben Österreich, So und Anders … qualifiziert am Arbeitsmarkt, Therapiesalon im Wald, Urtikariaverband, VertretungsNetz, WAG Assistenzgenossenschaft, WE&ME Foundation for ME/CFS Research.

https://mein.aufstehn.at/petitions/menschenwurde-statt-misstrauen-fur-ein-faires-begutachtungssystem

Auf weißem Hintergrund ist ein schwarz-weißer QR-Code zu sehen.

Rückfragen & Kontakt
Hannah Dobler | Lebenshilfe Österreich
Event- und Projektmanagerin

+43 (0)660 98 13 59
dobler@lebenshilfe.at
www.lebenshilfe.at

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