Dieses Budget ist nicht barrierefrei!

Vier Personen stehen in einem Raum und halten ein Transparent mit der Aufschrift Dieses Budget ist nicht barrierefrei! (Dieses Budget ist nicht barrierefrei!). Auf beiden Seiten sind Plakate der Caritas &Du und der Lebenshilfe Österreich zu sehen.Johannes Hloch
Lebenshilfe und Caritas schlagen Alarm: Bei den laufenden Budgetverhandlungen drohen erneut massive Kürzungen auf Kosten von Menschen mit Behinderungen, mit fatalen sozialen und wirtschaftlichen Folgen.

Die Situation ist ernst. Im Jänner 2026 ist die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen um 13,9 Prozent gestiegen. Die Armutsgefährdung liegt laut Statistik Austria bei 21,5 Prozent – deutlich über dem Durchschnitt. Und dennoch drohen im anstehenden Doppelbudget weitere Einschnitte, die genau diese Gruppe am härtesten treffen.

Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe, bringt es auf den Punkt: „Die Politik sollte mit dem anstehenden Doppelbudget nicht wieder bei Menschen mit Behinderungen kürzen.“

Der Ausgleichstaxfonds: Ein bewährtes Instrument steht auf dem Spiel

Der Ausgleichstaxfonds (ATF) ist das zentrale Finanzierungsinstrument für berufliche Inklusion in Österreich. Er finanziert 210 NEBA-Projekte in ganz Österreich, durch die jährlich 110.000 Menschen erfolgreich auf ihrem Weg in Ausbildung und Arbeit begleitet werden.

Die geplanten Kürzungen sind drastisch: Von 65 Millionen Euro in diesem Jahr sollen die Bundeszuschüsse bis 2029 auf nur noch 15 Millionen Euro sinken – ein Rückgang um rund drei Viertel. Das, obwohl der Bedarf durch steigende Personalkosten und Kollektivvertragsanpassungen gleichzeitig zunimmt.

Teurer kann man nicht sparen. Wer hier kürzt, erhöht die Arbeitslosigkeit und damit die Folgekosten für die öffentliche Hand, so Klaus Schwertner von der Caritas. Wir fordern: Diese Kürzungen müssen zurückgenommen werden!

Sozialhilfe: Nicht mehr armutsfest

Über 20 Prozent der Sozialhilfebezieher*innen in Österreich leben mit einer Behinderung. Die Folgen der bisherigen Kürzungen sind bereits spürbar:

  • Sonderzahlungen wurden halbiert
  • Wohnkostenpauschalen und Behindertenzuschläge wurden gekürzt
  • Der Mobilitätszuschlag für die Zielgruppe wurde halbiert
  • Die Anrechnung der erhöhten Familienbeihilfe reduziert die verfügbaren Mittel für Hilfsmittel und Therapien

Die anstehende Reform der Sozialhilfe bietet die Chance, diese Missstände zu korrigieren. Wir brauchen eine bundesweit einheitliche und armutsfeste Sozialhilfe – gerade in Zeiten steigender Preise.

Lohn statt Taschengeld

Rund 30.000 Menschen mit Behinderungen in Österreich arbeiten in Werkstätten – für ein bloßes Taschengeld, ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das muss sich ändern.

Wir brauchen mehr Durchlässigkeit zwischen Werkstätten und dem ersten Arbeitsmarkt. Wir brauchen individuelle Begleitangebote, besonders für Menschen mit höherem Assistenzbedarf. Und wir brauchen maßgeschneiderte Qualifizierungen für Jugendliche mit Behinderungen – damit sie selbstbestimmt leben und für einen fairen Lohn arbeiten können.

Inklusion statt Sonderschule – auch hier!

Österreich leistet sich ein teures Parallelsystem: Sonderschulen und inklusive Regelschulen existieren nebeneinander – mit doppelter Infrastruktur und doppelten Kosten. Das Ergebnis ist weder effizient noch gerecht.

Laut Untersuchungen des Instituts für Höhere Studien (IHS) gelingt nur sechs Prozent der Jugendlichen, die eine Sonderschule besucht haben, der direkte Einstieg in den Arbeitsmarkt. Trotzdem plant etwa Oberösterreich den Bau neuer Sonderschulen. Das ist der falsche Weg.

Die Antwort muss ein konsequent ausgebautes inklusives Schulsystem sein, das jedem Kind die individuelle Unterstützung gibt, die es braucht.

Österreich hat die UN-Behindertenkonvention unterschrieben – es ist Zeit, danach zu handeln

Die Interessenvertreter*innen Thomas Baumgartner und Selin Sahinci machen deutlich, was auf dem Spiel steht: „Wir brauchen nicht mehr Hürden, sondern mehr offene Wege.“

Lebenshilfe und Caritas sind sich einig: Die Bundesregierung muss beim Doppelbudget umsteuern. Ein Budget, das Menschen mit Behinderungen systematisch benachteiligt, ist nicht nur sozial ungerecht – es ist auch wirtschaftlich kurzsichtig.

Größer als bauliche Barrieren sind jene, die Folge einer unverhältnismäßigen Sparpolitik sind. Der Bundesregierung muss Besseres einfallen!

Hier kannst du dir den Pressetext, sowie die Fotos der Pressekonferenz ansehen:

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