Antrittsbesuch bei Sozialministerin Schumann. Unser Haupt-Thema: Wer Persönliche Assistenz braucht, soll sie bekommen!

Zwei Frauen lächeln, während sie einen weißen Schutzhelm mit der Aufschrift BAUSTELLE INKLUSION halten. Eine Frau steht, die andere sitzt in einem Rollstuhl. Hinter ihnen sind die Flaggen Österreichs und der Europäischen Union zu sehen.Lebenshilfe Österreich
Am 17. September waren wir im Sozialministerium eingeladen. Wir haben der Sozialministerin gesagt, was es aus unserer Sicht für ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderungen braucht. Die wichtigste Botschaft: Ein selbstbestimmtes Leben ist ein Menschenrecht. Der Weg dazu: ein Leben mit Persönlicher Assistenz – für ALLE Menschen mit Behinderungen! 😊
Wer war mit im Sozialministerium?

Von der Lebenshilfe waren mit dabei: unser Generalsekretär Philippe Narval und unsere Vize-Präsidentin Hanna Kamrat. Hanna lebt schon seit dem Jahr 2000 mit Persönlicher Assistenz und weiß aus eigener Erfahrung: „Persönliche Assistenz ist lebensnotwendig, um nicht immer abhängig zu sein – von Familie, Partner*in oder Freund*innen. Ich wünsche mir, dass alle diese Chance bekommen, auch Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf.“

Ins Sozialministerium begleitet hat uns auch Sonja Föger-Kalchschmied, Betriebsratsvorsitzende der Lebenshilfe Tirol. Sie hat früher selbst als Assistentin gearbeitet und weiß daher, wie sehr sich das Leben mit Persönlicher Assistenz für Menschen mit Behinderungen verändert: „Die Menschen werden mutiger und selbstbewusster, trauen sich mehr zu und brauchen am Ende sehr viel weniger Unterstützung in ihrem Alltag.“

Was haben wir mit Ministerin Schumann besprochen?

Es war wichtig, dass uns Sonja Föger-Kalchschmied begleitet hat. Denn wir haben mit Ministerin Schumann auch über die drohenden Einsparungs-Maßnahmen im Sozialbereich gesprochen, die sich auch auf Mitarbeitende auswirken könnten.

Vor allem haben wir mit Ministerin Schumann über unsere Forderungen im Bereich Persönliche Assistenz gesprochen. Wir fordern:

  1. Recht auf Persönliche Assistenz für ALLE Menschen mit Behinderungen
    Menschen mit intellektuellen Behinderungen sollen genauso das Recht haben auf Persönliche Assistenz wie Menschen mit körperlichen Behinderungen. Es gibt Beispiele, die zeigen, dass das möglich ist.
  2. Bundesweiter Rechtsanspruch und Harmonisierung
    Es darf nicht vom Glück oder Pech abhängen, in welchem Bundesland man geboren wurde. Ganz Österreich braucht einheitliche Regeln. Außerdem sollen Arbeitsassistenz, Freizeit- und Wohn-Assistenz zusammengeführt werden.
  3. Ausreichende finanzielle Mittel
    Die Budgets müssen sich am jeweiligen Bedarf der Personen orientieren – nicht an dem, was gerade da ist oder eben nicht da ist.
Warum ist Persönliche Assistenz so wichtig?

Selbst über das eigene Leben bestimmen – dieses Recht haben alle Menschen, auch Menschen mit intellektuellen Behinderungen. Persönliche Assistenz ist das einzige Modell, das ihnen dieses selbstbestimmte Leben ermöglicht.

„Es geht hier um ein Menschenrecht. Es wird Zeit, dass Österreich dieses respektiert und entsprechend handelt. […] Sauber, satt und sicher reicht nicht. Es gibt unser Konzept für ein selbstbestimmtes Leben mit Persönlicher Assistenz. Was es jetzt braucht, ist politischer Wille.“
Philippe Narval
„Baustelle Inklusion“: Bau-Helm ab sofort im Sozialministerium

Als Symbol dafür, dass in Österreich noch viel für Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu tun ist, haben wir einen Bau-Helm an Sozialministerin Schumann überreicht. Der Helm war schon bei unserer Protest-Aktion „Baustelle Inklusion“ am 5. Mai 2025 vor dem Parlament im Einsatz.

Zwei Beispiele, die beweisen, dass auch Menschen mit intellektuellen Behinderungen und Lern-Schwierigkeiten mit Persönlicher Assistenz leben können:

Vinko Najdek aus Salzburg nimmt seit 2017 Persönliche Assistenz in Anspruch. Er war einer der ersten, der als Mann mit Lernschwierigkeiten Persönliche Assistenz bekam. Heute lebt Vinko Najdek in seiner eigenen Wohnung, bekommt Unterstützung von Persönlichen Assistent*innen durch die Lebenshilfe Salzburg. Von zu Hause aus arbeitet er 20 Wochenstunden für einen Weinvertrieb und erhält dabei Unterstützung durch Arbeitsassistenz. Die beiden Assistenz-Systeme sind nach wie vor getrennt.
Im Land Salzburg ist heute Persönliche Assistenz für alle Menschen mit Behinderungen verankert. Die Lebenshilfe Salzburg hat aktuell 39 Auftraggeber*innen unter Vertrag und 85 Assistent*innen angestellt.

Renate Plansky aus Tirol ist eine taube Frau. Sie hat zuvor in einem Wohnhaus der Lebenshilfe Tirol gewohnt. Dank ihrer Persönlichen Assistentin, die sie sich selbst ausgesucht hat, kann sie heute so leben wie andere auch und wohnt in einer eigenen Wohnung. Die Persönliche Assistentin ist selbst taub und hat die Bedürfnisse von Renate Plansky sofort verstanden.
Persönliche Assistenz ist in diesem Fall möglich, weil die Lebenshilfe Tirol Leistungen aus dem Tiroler Teilhabegesetz kombiniert, nämlich die „Mobile Begleitung“ und die „Persönliche Assistenz“.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir bleiben dran!💪 Persönliche Assistenz ist ein Menschenrecht, das nicht verhandelbar ist. Österreich hat die UN-Behinderten-Rechts-Konvention unterschrieben – jetzt müssen die Artikel auch in Form von konkreten Gesetzen umgesetzt werden.


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