Lebenshilfe Österreich trifft Bildungsminister Christoph Wiederkehr
Was sich für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Österreich ändern muss
Bildungsminister Wiederkehr für Öffnung von AHS und BHS: „Eltern dürfen nicht mehr Bittsteller sein“
Wien, 18. August 2025 – Eine inklusive Gesellschaft beginnt mit Inklusiver Bildung. In Österreich haben rund 30.000 Schülerinnen einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Damit Kinder mit Behinderungen in der Schule bestmöglich gefördert werden, braucht es dringend strukturelle Verbesserungen im Bildungssystem.
Gemeinsam mit Expert*innen der Pädagogischen Hochschule (PH) Salzburg, Vorreiterin in Sachen Inklusive Bildung, fordert die Lebenshilfe Österreich bei ihrem Antrittsbesuch bei Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) drei wichtige konkrete Maßnahmen am Weg zu Inklusiver Bildung:
1. Recht auf 11. und 12. Schuljahr rasch umsetzen
Das Regierungsprogramm sieht vor, dass Jugendliche mit Behinderungen künftig ein 11. und 12. Schuljahr absolvieren können. Bildungsminister Christoph Wiederkehr unterstützt die Forderung der Lebenshilfe Österreich nach einer Öffnung der Sekundarstufe II für Jugendliche mit Behinderungen, also auch der AHS- und BHS-Oberstufen: „Eltern dürfen nicht mehr länger Bittsteller sein.“
2. Keine Rückkehr zur separatem Sonderpädagogik-Studium
Die geplante Wiedereinführung eines Sonderpädagogik-Studiums, das in Österreich 2015 abgeschafft wurde, wäre ein Rückschritt. Stattdessen soll Inklusive Pädagogik wie bisher Teil der allgemeinen pädagogischen Ausbildung bleiben – idealerweise mit einem noch stärkeren Anteil. Ziel ist, dass alle Lehrkräfte gemeinsam im Team unterrichten und inklusiv arbeiten können.
3. Bessere Beratung und Begleitung bei Bildungsübergängen
In Österreich gibt es am Bildungsweg ganz besonders viele Wechsel. Der Wechsel von Kindergarten in die Schule oder zwischen Schulstufen ist für alle Familien eine Herausforderung, für Eltern von Kindern mit Behinderungen oft eine unzumutbare Belastung. Es braucht daher professionelle Begleitung für Eltern und koordinierte Übergänge zwischen den Bildungseinrichtungen.
„Bildung darf kein Zufall sein. Gerade beim Wechsel zwischen Kindergarten, Volksschule und weiterführender Schule dürfen Familien nicht allein gelassen werden“, betont Wolfgang Plaute, Vizerektor der Pädagogischen Hochschule Salzburg und Mitglied im Expertenrat der Lebenshilfe Österreich.
Dass gute Übergänge zwischen den Systemen wichtig sind, betont auch Maria Schallehn, Mitglied des Angehörigenbeirats der Lebenshilfe Österreich. Selbst Mutter eines Sohnes mit hohem Unterstützungsbedarf verweist Maria Schallehn auf Kärnten, wo es bereits seit einigen Jahren solche Vernetzungs-Konferenzen gibt.
„Unser Ziel bleibt eine inklusive Schule für alle, das heißt Kinder mit und ohne Behinderungen lernen gemeinsam. Das verlangt die UN-Behindertenrechtskonvention, und zahlreiche internationale Beispiele beweisen, dass das machbar ist. Wir verstehen die aktuell angespannte Budget- und Personalsituation, daher setzen wir jetzt bewusst auf umsetzbare, pragmatische Schritte“, sagt Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich.
Neben politischen Forderungen übernehmen die Lebenshilfe Österreich und die PH Salzburg auch selbst Verantwortung: Im November findet in Salzburg erstmals das „Dialog-Forum Inklusive Bildungswege“ statt: Hier sollen sich für Inklusion engagierte Lehrkräfte, Schulleitungen, Angehörige und Selbstvertreter*innen treffen, um sich zu vernetzen und voneinander zu lernen.
LINKS:
Dialog-Forum Inklusive Bildungswege
Über die Lebenshilfe:
Die Lebenshilfe Österreich vertritt seit 1967 die Rechte von Menschen mit intellektuellen Behinderungen. Sie ist der Dachverband der insgesamt acht Lebenshilfe-Landesorganisationen. Die Lebenshilfe begleitet österreichweit rund 19.000 Menschen mit Behinderungen: beim Wohnen, beim Arbeiten, bei der Durchsetzung der eigenen Rechte. An 280 Standorten arbeiten über 7.500 Mitarbeiter*innen.
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